Heike Kemmer "Bonaparte"

- Das Pferd meines Lebens  - 

Vierte Auflage der Serie "Das Pferd meines Lebens". Text aus einem privatem Interview mit "Heike".

Auch als Hörbuch!

Es sollte ein verheißungsvoller Sonntag für Heike Kemmer werden, als sich ihr Vater Hans Joachim im Sommer 1993 nach Wedemark aufmachte, um das Züchterehepaar Jacob-Goldeck zu besuchen.

Dort stand ein junges Fohlen eines seiner Deckhengste, welches er sich einmal anschauen wollte. Sein Spielkamerad, ein fast gleichaltriges, bildhübsches Fuchsfohlen, stach Kemmer dabei besonders ins Auge –  “Bonaparte“. Er entschied sich spontan dazu, beide Fohlen zu kaufen und sie wenig später als Absetzer zu sich auf den Amselhof nach Walle zu holen.

Bonaparte * 19.4.1993

Hannoveraner v. Bon Bonaparte x Consul

Heike Kemmer sah “Bonaparte“ zum ersten Mal, als dieser auf der Weide seines neuen Zuhauses unterwegs war. Er stach schon zu dieser Zeit aus der Fohlenherde mit seinem toll aufgesetzten Hals und seinem Selbstbewusstsein heraus.

Mit zweieinhalb Jahren wurde er kastriert. Ein halbes Jahr später von einer Bereiterin des Hofes angeritten. Dabei zeigte der junge Bursche bereits eine seiner zukünftigen Stärken. Schon beim drittem Mal ließ er sich völlig unerschrocken auf dem großen Areal überall herumreiten. Mit wachsender Routine und stärker werdendem Selbstbewusstsein ging anfängliche Reserviertheit und innerliches Festhalten mehr und mehr in Losgelassenheit über.

4-jährig siegreich bei einer Reitpferdeprüfung im Nachbarort, durchlief der Hannoveraner 5- und 6-jährig das Aufbauprogramm der Dressurpferdeprüfungen bis zur Klasse M.

"Wir sind seit 20 Jahren ein Paar"

 

Im Alter von 7 Jahren kam “Bonaparte“ unter den Sattel von Heike Kemmer.

Dem "Bon Bonaparte"-Sohn fiel es von Anfang an spielerisch leicht, die seinem Alter entsprechend gestellten Aufgaben zu meistern. So beherrschte der lernbegierige Wallach bereits 8-jährig das komplette Grand-Prix-Programm. Zu dieser Zeit war er aber erst noch in der Nachwuchsszene auf St.Georg-Level unterwegs auf den Turnieren. Im Mai gewann er die Qualifikation des “Nürnberger Burg Pokal“ in München, um im Dezember ebenfalls mit seiner Reiterin im Finale dieser Jungpferdeserie des Dressursports in Frankfurt siegreich zu sein.

“Boni“ , wie er genannt wird, war immer gut gelaunt, ausgeglichen und arbeitswillig. Vielleicht auch deshalb, weil er neben dem Dressurtraining auch immer wieder ins Gelände durfte. Auch bei Sturm und Regen ging es hinaus in die Natur, wobei “Bonaparte“ diese Momente mit aufgeblasenen Nüstern förmlich inhalierte. Ein vierbeiniger Strahlemann ohne Schwächen? Weit gefehlt – denn als junges Pferd war er auf den Turnieren immer schwerfuttrig. Bis zu seinem 9. Lebensjahr setzte sich Heike Kemmer bei Reitturnieren neben ihn, um ihm beim Fressen Gesellschaft zu leisten, ihm Heu hinzuhalten, ihn zu streicheln und mit ihm zu reden.

“Bonaparte“ brauchte ein verlässliches System um sich herum – auch heute noch.

So musste er bei den Turnieren jeden Tag um kurz vor 6 Uhr als Erster auf dem Trainingsplatz sein. Auch bei Championaten und Olympischen Spielen.

Vor jedem Prüfungsauftritt standen feste Rituale. “Boni“ fokussierte sich dabei mehr und mehr auf seinen Auftritt. Er bekam den Tunnelblick, nahm nicht einmal mehr eine seiner geliebten Möhren zur Kenntnis, bis er seine Dressuraufgabe hinter sich gebracht hatte.

Putzen, Einflechten, Satteln. Noch einmal zum Pinkeln in die Box, dann zum Vorbereitungsplatz. Zunächst 20 Minuten Schritt gehen bevor sich die Prüfungsvorbereitung über die nächsten 40 Minuten in allen Gangarten steigerte. Er schwitzte sehr schnell. Wenn er durchgeschwitzt war, schwitzte er allerdings nicht mehr. So wurde er zwei Pferde vor dem Start mit dem Schweißmesser abgerieben, mit einem Handtuch abgewischt und ausbandagiert.

Dann ging es hinein ins Dressurviereck, wo er mit gespitzten Ohren, locker getragenem Schweif und herrlicher Anlehnung an der Reiterhand seiner Heike einen verlässlichen Sitz- und Lektionskomfort ermöglichte.

“Bonaparte“ merkte man an, dass er es spürte, wenn der Prüfungsauftritt gelungen war. Er genoss die lautstarke Zuneigung des applaudierenden Publikums.

Jetzt war er wieder raus aus dem Tunnel. Jetzt wollte er wieder in den Stall und vor allem seine Belohnung – eine Möhre nach der anderen.

 

Größte Erfolge:

Deutsche Meisterschaft:

2005 - Gold

2006 - Gold

Europameiserschaft:

2003 - Team-Gold

2005 - Team-Gold

Weltmeisterschaft:

2006 - Team-Gold

Olympische Spiele:

2004 - Team-Gold

2008 - Team-Gold + Einzel-Bronze

Zum letzten Mal glänzte das Paar vor großer Kulisse 2011 in Hannover. Das Hallenturnier in Niedersachsens Landeshauptstadt, quasi ein Heimspiel, bildete die Kulisse für den vorbereiteten Abschied aus dem Sport für den prächtigen Wallach. Noch einmal zeigten “Boni“ und Heike Kemmer die Kür, mit der sie 2008 Einzelbronze bei den Olympischen Spielen gewannen.

 

Mit 18 Jahren gesund im Ruhestand angekommen. Keine Turnierrituale mehr. Aber bis heute immer noch, wie eine Selbstverständlichkeit, in seiner alten Box im Stall in Walle.

Dort ist er der mittlerweile im Gesicht leicht ergraute Grandseigneur, der alles im Blick hat. Und wehe, es fehlt einer seiner Boxennachbarn. Lauthalsiger, wiehernder Protest klingt dann nur schwerlich ab. Besonders, wenn seine Freundin “Betty“ fehlen sollte. Eine 11-jährige Stute, mit der er seit acht Jahren täglich auf der Koppel unterwegs ist. Danach geht es aufs Paddock im Innenhof, um sich dort richtig schön zu wälzen, bevor es wieder in den Stall geht.

Die junge Pferddame scheint ihn gut fit zu halten.

Schön, dass er mit nun 27 Jahren immer noch so prächtig dasteht und sich ab und zu freut, wenn Besucher vorbeikommen. Wenn dann seine Boxentür aufgemacht und er den Menschen vorgestellt wird, dann genießt er nach wie vor in edler Zurückhaltung die Bewunderung, die ihm entgegengebracht wird.

 

Fast schon ein wenig majestätisch – “Bonaparte“ .

Otto Becker  &

Dobel`s Cento
- Das Pferd meines Lebens  - 

Dritte Auflage der Serie "Das Pferd meines Lebens". Text aus einem privatem Interview mit "Otto".

Es war einer dieser ganz großen emotionalen Momente.

 

"Dobel`s Cento" feierte kerngesund vor über 40.000 Zuschauern seinen Abschied aus dem Sport. Seit Monaten so geplant für den 17-jährigen Hengst, auch wenn er kurz zuvor noch Nationenpreissieger in Frankreich wurde.

Es war abends, am 31. August 2006, vor dem zweiten Umlauf des Mannschaftsspringens der WM in Aachen. Der Schimmel strahlte unter dem Flutlicht und genoss noch einmal diese einzigartige Atmosphäre, so, wie er sie über Jahre zuvor immer wieder als Motivation für herausragende Leistungen verspürt haben musste. Auch in diesem Moment im Sattel – Otto Becker.

Dobel`s Cento

Holsteiner * 1989 †2018

v. Capitol I x Caletto II

"Dobel`s Cento", gezüchtet von Heinrich Schoof in Büsum, startete zweieinhalbjährig seine Reise um die Welt. Horst Karcher kaufte ihn und holte den Hengst vom Deich in Schleswig-Holstein  in den Nordschwarzwald nach Dobel. Ein kleiner Ort, etwa 700 Meter hoch in der Nähe von Bad Herrenalb gelegen, mit etwa 2300 Einwohnern, der durch den Holsteiner und seinen Erfolgsreiter große Bekanntheit erlangen sollte. Am Ortsrand das Gestüt Dobel der Familie Karcher gelegen, dem zunächst neuen Domizil für den Vierbeiner.

Als er 5-jährig war, rief Horst Karcher bei Otto Becker an, ob er nicht Lust hätte, in Verbindung mit einem Fotoshooting für den Hengstkatalog des Gestüts, das Pferd einmal zu probieren. Dies war der Startschuss für ein kommendes Traumpaar des Springsports.

Becker sagte zu und war vom ersten Moment an begeistert und hatte sich sehr wohl gefühlt auf  "Dobel`s Cento". Aber erst im September des kommenden Jahres bezog er die Box beim dreimaligen Deutschen Meister im Springreiten. Kurz darauf gewannen beide beim Bremer Hallenturnier souverän eine Springpferdeprüfung. Anfang 1996 siegten sie beim Hallenturnier in Caen in der offenen französischen Hengstmeisterschaft.

 

Schon als junges Springpferd war der Holsteiner ein Charakterpferd –Mut, Selbstbewusstsein,

seine schnelle Auffassungsgabe und hohe Intelligenz, dazu ein enormes Sprungvermögen.

Otto Becker spürte, dass er ein Ausnahmepferd im Stall hatte und baute es über die Jahre schonend auf. Dass "Dobel`s Cento" bereits 8-jährig Zweiter im Großen Preis von Balve wurde, unterstrich die frühe Klasse des Hengstes im Zusammenspiel mit seinem Reiter.

Foto   :      Jacques Toffi

2000 Aachen

2002 Hannover

2003 Calgary 

2003 München (Halle)

2004 Nationenpreis Aachen

2005 NRW-Preis Aachen

2005 San Patrignano

2006 Nationenpreis La Baule

Siege Große Preise
Größte Erfolge:

2000 Olympia 1. Team, 4. Einzel

2004 Olympia 3. Team, 18. Einzel

2002 WM Team 4. + 7.Einzel

2001 EM Team 3. + 10.Einzel
2003 EM Team 1. + 9. Einzel

2002 Sieger Weltcupfinale

Ein neues Paar war am internationalen Springsporthorizont unterwegs. Ein Paar mit Charisma und ganz großen Erfolgsmomenten. Die beiden Sportler wurden zu einer Garantie für deutsche Springsporterfolge. Eine Konstante. Eine verlässliche Bank im und unter dem Sattel.

Ob als Goldmedaillen-Gewinner bei Olympischen Spielen und Europameisterschaften oder als Sieger des Weltcupfinales und in den bedeutendsten Großen Preisen – "Dobel`s Cento" und Otto Becker waren weltweit als erfolgreiche Sympathieträger und Idole des Reitsports unterwegs.

 

So auch beim CHIO Aachen. Der Sieg im Großen Preis auf nassem, teils sehr aufgeweichtem Geläuf, zählt zu den emotionalsten Momenten des Reiters, da Becker zunächst diesen nicht reiten wollte, um kein Verletzungsrisiko seines Pferdes im Hinblick auf die kurz darauf anstehenden Olympischen Spiele einzugehen. Allerdings verpasste ihm der damalige Bundestrainer Herbert Meyer einen derartigen „Einlauf“, dass sich Becker umentscheiden musste und am Ende gewann. Auch in Sydney sollten sie, als bestes deutsches Paar mit zwei fehlerfreien Runden im Teamwettbewerb, zum entscheidenden Goldfaktor werden. 2003 waren sie das einzige Duo, welches im Top-Grand Prix in Calgary in beiden Umläufen ebenfalls strafpunktfrei blieb.

 

"Dobel`s Cento" war beleidigt, wenn er nicht mit aufs Turnier fahren durfte. Vielleicht auch deshalb, weil er bei der Veterinärinspektion gerne mal den Matcho raushängen ließ, oder wie Otto Becker es sagte – den „Max“ machte. Denn beim Vortraben an der Hand konnte der Hengst schnell auch mal nur auf zwei Beinen unterwegs sein. Ausnahmen eines sonst sehr umgänglichen Pferdes. Nach seinem Abschied vom Sport blieb er im Stall von Otto Becker und wurde noch einige Jahre zuhause geritten. So durfte er seinen Reiter beim Anziehen des Sattelgurts eine ganze Zeit noch weiter zwicken.

Der Hengst verbrachte jeden Tag auf der Koppel und in seiner gewohnten Box – bis Anfang Februar 2018. Eine schwere Lungenentzündung führte dazu, dass "Dobel`s Cento" mit knapp 29 Jahren eingeschläfert werden musste.

Für Otto Becker war ein Freund von ihm gegangen, der ihm die schönsten sportlichen Momente im Springsattel schenkte und zu dem er die größte emotionale Bindung unter all seinen Pferden hatte. Nach dem Tod des Hengstes stand seine Box über ein Jahr leer. Erst dann durfte wieder ein anderes Pferd darin einziehen – in die Box des "Dobel`s Cento".

Monica Theodorescu  & GANIMEDES
- Das Pferd meines Lebens  - 

Zweite Auflage der Serie "Das Pferd meines Lebens". Text aus einem privatem Interview mit "Moni".

 

Es war das Jahr 1981, als Georg Theodorescu das Deutsche Dressurderby bei den Herren gewinnen konnte und seine damals erst 18-jährige Tochter Monica  bei den Damen.

Im selben Jahr besuchte George Theodorescu einmal mehr Ulli Kasselmann.

An der damals schon legendären Hausbar verkündete Ulli, dass spät abends noch ein toller Dreijähriger angeliefert werden sollte, welchen er selbst aber bis dahin auch noch nicht kannte.

Gegen 23 Uhr, die Stimmung war bestens, kam benanntes Pferd und wurde sofort beim Freilaufen in der kleinen Reithalle begutachtet. Ein Moment, der die stabile Basis für eine sehr enge Freundschaft und Zusammenarbeit der Familien Theodorescu und Kasselmann bilden sollte.

George Theodorescu hatte sich sofort in diesen Rohdiamanten verguckt. Er kaufte ihn am kommenden Morgen zur Hälfte von Ulli Kasselmann ab und nahm ihn mit auf den „Lindenhof“ nach Füchtorf, dem Anwesen der Theodorescus.

 

Ganimedes

Westfale * 1978 †2006

v. Grünhorn III x Fidalgo xx

"Ganimedes“ bezog dort seine Box für das nächste Vierteljahrhundert.

Er sollte mit Monica Theodorescu zu einem Traumpaar des internationalen Dressursports heranreifen.

"Gani“ war zu diesem Zeitpunkt noch recht klein, unbemuskelt, hatte langes Fell, aber strahlte durch herausragendes Bewegungspotential. Er war noch ungeritten. So übernahm Monica´s Mutter Inge das Anreiten, um kurz darauf ihrer Tochter den Remonten zu überlassen.

Bis zum sechsten Lebensjahr ging der Westfale lediglich einmal auf einem Turnier in einer Jungpferdeprüfung. Erst dann fing er an mehr und mehr mit seiner zierlichen Reiterin durchzustarten. Der erste internationale Sieg schon mit 6 Jahren im Prix St.Georg in Rotterdam. Damals durften Pferde in diesem Alter schon in der schweren Klasse vorgestellt werden. Zwei Jahre später, es war Herbst im Pariser Polo Club, wurden "Ganimedes" und Monica Theodorescu auf Anhieb Zweite in ihrem ersten Grand Prix. Der Sieg ging damals an Vater George mit Entertainer.

 

"Ganimedes“ war zu seiner Zeit schon ein Sportler mit einem außergewöhnlichem Bewegungsablauf, einer Elastizität und Geschmeidigkeit, wie sie damals nur ganz wenige Pferde besaßen. Seine strebsame Art, sein Talent mit hervorragender Rittigkeit unter dem glänzenden Haarkleid zu vereinen und mit einem so anständigen Charakter zu ergänzen, machten ihn mit seiner Reiterin über Jahre zu einem der besten Paare des weltweiten Dressursports.

Ein Pferd, welches auch zum hippologischen Fundament für die Laufbahn der aktuellen Dressur-Bundestrainerin wurde. Beide konnten sich jederzeit aufeinander verlassen. So spürte der Wallach immer, wenn besondere Wettbewerbe anstanden. Zur gemeinsamen Fokussierung auf diese hatte ihn seine Reiterin immer selbst geschoren, auf Turnieren selbst gepflegt, eingeflochten und gesattelt, um anschließend in allen Facetten gemeinsam zu glänzen. "Gani“ registrierte nach einer Prüfung sofort, wenn er gut war. So, wie er bei einer Kür genau wusste, was los war, wenn seine Musik ertönte. Er liebte es, sich im Viereck zu präsentieren und anschließend die Siegerehrung zu genießen.

Bei all den großen Auftritten freut sich Monica Theodorescu rückblickend wohl am meisten über den Grand Prix in Seoul 1988, den beide als nervenstarkes Schlusspaar des deutschen Olympiaquartetts mit dem drittbesten Gesamtergebnis absolvierten.

 

 

 

 

Größte Erfolge:

1. Deutsche Meisterschaft

1. Team + 4. Einzel  EM 

1. Team + 3. Einzel WM 

1. Team + 6. Einzel  Olympia 

1. Weltcupfinale

  

"Ganimedes" wurde immer nur gezielt im Turniersport eingesetzt. Er genoss es zu reisen und konnte sich bei ausgeglichen gutem Appetit immer sehr schnell akklimatisieren. Stress- und

Verletzungsunauffälligkeit zeichneten zudem den robusten Westfalen aus. Er war ein unerschütterliches Pferd, unerschrocken, vor nichts Angst habend – außer vor Schafherden.

Schon der Geruch von Schafen versetzte ihn in Unruhe, wie zum Beispiel bei einem Turnier in Rotterdam, als er nicht den Turnierstall beziehen wollte, da dieser noch kurz zuvor als Domizil Schafen und Kühen zur Verfügung gestellt wurde und noch immer nach ihnen roch.

 

"Gani“ war aber alles andere als ein Quertreiber oder Leitwolf unter seinen Artgenossen, sondern eher ein Mitläufer. In den Mittelpunkt rücken wollte er sich nur mit seinen sportlichen Momenten, in denen er alles beherrschte, was von ihm verlangt wurde. Fast alles. Die Piaffen waren nicht unbedingt seine großen Stärken. Noch heute denkt seine einstige Reiterin daran, dass sie damals ihren Vater doch ab und zu einmal  hätte "Ganimedes" reiten lassen sollen, um diese Schwachstelle zu verbessern. Aber George Theodorescu hatte ihn nie geritten, ihm aber dafür etwas anderes beigebracht – das Koppen. Der Wallach hatte immer seine Box rechts am Eingang der kleinen Reithalle. Jedes Mal, wenn George an seiner Box vorbeikam, gab er ihm ein  Stückchen Zucker, was zur täglichen Grundausstattung des ehemaligen Olympioniken Rumäniens gehörte. Daraus entwickelte sich das Koppen, welches "Ganimedes" dann später seinem vierbeinigen Nachfolger bei den großen Championaten und Olympischen Spielen beibrachte, nämlich "Grunox".

 

Diese beiden herausragenden Dressurpferde von Monica Theodorescu wurden beste Freunde und verbrachten nach ihrer Karriere täglich viele Stunden gemeinsam auf der Koppel. Bis zu jenem Tag, als "Ganimedes" morgens in seiner Box nicht mehr aufstehen wollte und der letzte Tag seines erfüllten Lebens angebrochen war.

Mit 28 Jahren wurde Ganimedes eingeschläfert. Ein stiller Abschied, wie einst im Viereck.

Die großen Erinnerungen an „Gani“ werden bleiben !

 

 

Hans-Dieter Dreher und Embassy II
- Das Pferd meines Lebens  - 

Erste Auflage der Serie "Das Pferd meines Lebens". Text aus einem privatem Interview mit "Hansi" auf den Stuttgart German Masters.

Embassy II

Hannoveraner * 2001

v. Escudo I x Silvio

Züchter: Dr. Jacobs

16.11.2019

Ein Telefonat veränderte auf einen Schlag das Reitsportleben von Hans-Dieter Dreher. Es war Anfang des Jahres 2011.

" Hansi" wurde von Tobias Galmbacher angerufen, der ihm den 10 jährigen Embassy II zum Reiten anbot.

Weder vom Anrufer, noch von diesem Pferd hatte der Reiter bisher irgendetwas gehört. Einige Tage später machte sich der Eimeldinger aus dem tiefen Süden Baden-Württembergs auf nach Umpfenbach, gut 320 KM nördlich vom Dreiländereck gelegen, um den Hengst einmal auszuprobieren. Dieser wurde bis dahin von Dirk Hauser geritten.

Der Test wurde zur "Liebe auf den ersten Sprung" - vom ersten Augenblick an hatte Hansi ein super Gefühl. Ein Gefühl, was über die  Jahre noch stärker wurde, indem sich eine Seelenverwandtschaft zwischen den Beiden entwickelte - sie fühlten und dachten förmlich gleich!

Der Hannoveraner offerierte sofort seine  hervorragende Rittigkeit, die Aufmerksamkeit am Sprung, kombiniert mit enormen Sprungvermögen.

Die Augen des Hengstes funkelten besonders in einem schlauen Kopf, wenn ein Hinderniss angeritten wurde und brachten die Augen seines zukünftigen Reiters zum Glänzen.

Bei Ihrem ersten gemeinsamen Turnierauftritt waren sie sofort siegreich in Schopfheim im S-Springen**. Das dritte Turnier war wenig später schon der CHIO Aachen, wo Embassy II "nur" in der Speedtour unterwegs war, nicht ahnend, dass im Jahr darauf bereits im Großen Preis von Aachen das neue Traumpaar auf einem tollen 4. Platz springen würde.

Es war vielleicht eine gewisse, gemeinsame "Verrücktheit" des Paares - der Ehrgeiz, immer das Beste geben zu wollen. Im entscheidenden Moment zu kämpfen, um  über sich hinaus zu wachsen und dabei zu gewinnen. Damit gewannen sie nicht nur international renommierte Prüfungen, sondern auch die Begeisterung und die Herzen der Reitsporfans.

Unvergessen der Sieg im Weltcupspringen von Stuttgart 2013. "Emby" machte Dreher als ersten Baden-Württemberger zum Gewinner dieses herausragenden Wettbewerbs, Ein Lokalmatador und sein schwarzbrauner Überflieger brachten die Begeisterung  von über 8.000 Zuschauern in der Schleyer-Halle zum Überkochen.

Embassy II war immer gut drauf und er hatte einen begnadeten Schlaf. Auch bei den Turnieren konnte er bestens schlummern und abschalten.

Es gab aber auch die unglückliche Schattenseite des Leistungssports. Nach Jahren großer Erfolge eine langwierige Bänderzerrung.

Auszeit oder Karriereende? Immer wieder wurde Dreher auf den Hengst angesprochen, wie es seinem Pferd ginge. Hansi litt unter der Ungewissheit. Die Zeit sollte die Antwort geben und den für Hansi emotionalsten Turnier- Moment bescheren. Nach etwa 2 Jahren kam Embassy II zurück und gewann ein paar Monate später 2018 den Großen Preis von Donaueschingen - mit 17 Jahren. Tränen der Freude und der Rührung liefen wie nie zuvor beim zuweilen etwas wortkargen Reiter.

Dreher sagte auf die Frage, wie lange er denn Embassy noch auf Turniere mitnehmen wolle, dass dies ihm sein Emby schon mitteilen würde.

Die Zeit dafür ist nun gekommen, sich vom Sport und den Fans  zu verabschieden. Im Mai ging Embassy II sein letztes Springen in Hamburg bei der GCT. Eine kleine Zerrung wenig später, die längst abgeklungen ist, führten zur Entscheidung, ihn am Sonntag vor dem Weltcupspringen in Stuttgart auf Wiedersehen sagen zu lassen.

Ein emotionaler Moment, an den Hansi gar nicht denken will, um nicht sofort wieder Tränen fließen zu lassen.

Dann wird der 1,70 Meter große Springer für immer zurückkehren zu seinem Besitzer und nicht mehr jeden Tag von Hans-Dieters Gattin Marion dressurmäßig geritten.

Der Liebling der Familie geht in Rente und wird als Deckhengst hoffentlich viele Nachkommen noch emporbringen. Vielleicht auch einen für Hansi.

Zurück bleiben die Erinnerungen und natürliche viele Bilder im Wohnhaus des Reiters vom Pferd -oder wohl besser - vom Freund seines Lebens, den er in der Zukunft immer wieder besuchen wird.

 

Herzlichst

Carsten Sostmeier  &  

Hans-Dieter Dreher

 
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