Monica Theodorescu  & GANIMEDES
- Das Pferd meines Lebens  - 

Zweite Auflage der Serie "Das Pferd meines Lebens". Text aus einem privatem Interview mit "Moni".

 

Es war das Jahr 1981, als Georg Theodorescu das Deutsche Dressurderby bei den Herren gewinnen konnte und seine damals erst 18-jährige Tochter Monica  bei den Damen.

Im selben Jahr besuchte George Theodorescu einmal mehr Ulli Kasselmann.

An der damals schon legendären Hausbar verkündete Ulli, dass spät abends noch ein toller Dreijähriger angeliefert werden sollte, welchen er selbst aber bis dahin auch noch nicht kannte.

Gegen 23 Uhr, die Stimmung war bestens, kam benanntes Pferd und wurde sofort beim Freilaufen in der kleinen Reithalle begutachtet. Ein Moment, der die stabile Basis für eine sehr enge Freundschaft und Zusammenarbeit der Familien Theodorescu und Kasselmann bilden sollte.

George Theodorescu hatte sich sofort in diesen Rohdiamanten verguckt. Er kaufte ihn am kommenden Morgen zur Hälfte von Ulli Kasselmann ab und nahm ihn mit auf den „Lindenhof“ nach Füchtorf, dem Anwesen der Theodorescus.

 

Ganimedes

Westfale * 1978 †2006

v. Grünhorn III x Fidalgo xx

"Ganimedes“ bezog dort seine Box für das nächste Vierteljahrhundert.

Er sollte mit Monica Theodorescu zu einem Traumpaar des internationalen Dressursports heranreifen.

"Gani“ war zu diesem Zeitpunkt noch recht klein, unbemuskelt, hatte langes Fell, aber strahlte durch herausragendes Bewegungspotential. Er war noch ungeritten. So übernahm Monica´s Mutter Inge das Anreiten, um kurz darauf ihrer Tochter den Remonten zu überlassen.

Bis zum sechsten Lebensjahr ging der Westfale lediglich einmal auf einem Turnier in einer Jungpferdeprüfung. Erst dann fing er an mehr und mehr mit seiner zierlichen Reiterin durchzustarten. Der erste internationale Sieg schon mit 6 Jahren im Prix St.Georg in Rotterdam. Damals durften Pferde in diesem Alter schon in der schweren Klasse vorgestellt werden. Zwei Jahre später, es war Herbst im Pariser Polo Club, wurden "Ganimedes" und Monica Theodorescu auf Anhieb Zweite in ihrem ersten Grand Prix. Der Sieg ging damals an Vater George mit Entertainer.

 

"Ganimedes“ war zu seiner Zeit schon ein Sportler mit einem außergewöhnlichem Bewegungsablauf, einer Elastizität und Geschmeidigkeit, wie sie damals nur ganz wenige Pferde besaßen. Seine strebsame Art, sein Talent mit hervorragender Rittigkeit unter dem glänzenden Haarkleid zu vereinen und mit einem so anständigen Charakter zu ergänzen, machten ihn mit seiner Reiterin über Jahre zu einem der besten Paare des weltweiten Dressursports.

Ein Pferd, welches auch zum hippologischen Fundament für die Laufbahn der aktuellen Dressur-Bundestrainerin wurde. Beide konnten sich jederzeit aufeinander verlassen. So spürte der Wallach immer, wenn besondere Wettbewerbe anstanden. Zur gemeinsamen Fokussierung auf diese hatte ihn seine Reiterin immer selbst geschoren, auf Turnieren selbst gepflegt, eingeflochten und gesattelt, um anschließend in allen Facetten gemeinsam zu glänzen. "Gani“ registrierte nach einer Prüfung sofort, wenn er gut war. So, wie er bei einer Kür genau wusste, was los war, wenn seine Musik ertönte. Er liebte es, sich im Viereck zu präsentieren und anschließend die Siegerehrung zu genießen.

Bei all den großen Auftritten freut sich Monica Theodorescu rückblickend wohl am meisten über den Grand Prix in Seoul 1988, den beide als nervenstarkes Schlusspaar des deutschen Olympiaquartetts mit dem drittbesten Gesamtergebnis absolvierten.

 

 

 

 

Größte Erfolge:

1. Deutsche Meisterschaft

1. Team + 4. Einzel  EM 

1. Team + 3. Einzel WM 

1. Team + 6. Einzel  Olympia 

1. Weltcupfinale

  

"Ganimedes" wurde immer nur gezielt im Turniersport eingesetzt. Er genoss es zu reisen und konnte sich bei ausgeglichen gutem Appetit immer sehr schnell akklimatisieren. Stress- und

Verletzungsunauffälligkeit zeichneten zudem den robusten Westfalen aus. Er war ein unerschütterliches Pferd, unerschrocken, vor nichts Angst habend – außer vor Schafherden.

Schon der Geruch von Schafen versetzte ihn in Unruhe, wie zum Beispiel bei einem Turnier in Rotterdam, als er nicht den Turnierstall beziehen wollte, da dieser noch kurz zuvor als Domizil Schafen und Kühen zur Verfügung gestellt wurde und noch immer nach ihnen roch.

 

"Gani“ war aber alles andere als ein Quertreiber oder Leitwolf unter seinen Artgenossen, sondern eher ein Mitläufer. In den Mittelpunkt rücken wollte er sich nur mit seinen sportlichen Momenten, in denen er alles beherrschte, was von ihm verlangt wurde. Fast alles. Die Piaffen waren nicht unbedingt seine großen Stärken. Noch heute denkt seine einstige Reiterin daran, dass sie damals ihren Vater doch ab und zu einmal  hätte "Ganimedes" reiten lassen sollen, um diese Schwachstelle zu verbessern. Aber George Theodorescu hatte ihn nie geritten, ihm aber dafür etwas anderes beigebracht – das Koppen. Der Wallach hatte immer seine Box rechts am Eingang der kleinen Reithalle. Jedes Mal, wenn George an seiner Box vorbeikam, gab er ihm ein  Stückchen Zucker, was zur täglichen Grundausstattung des ehemaligen Olympioniken Rumäniens gehörte. Daraus entwickelte sich das Koppen, welches "Ganimedes" dann später seinem vierbeinigen Nachfolger bei den großen Championaten und Olympischen Spielen beibrachte, nämlich "Grunox".

 

Diese beiden herausragenden Dressurpferde von Monica Theodorescu wurden beste Freunde und verbrachten nach ihrer Karriere täglich viele Stunden gemeinsam auf der Koppel. Bis zu jenem Tag, als "Ganimedes" morgens in seiner Box nicht mehr aufstehen wollte und der letzte Tag seines erfüllten Lebens angebrochen war.

Mit 28 Jahren wurde Ganimedes eingeschläfert. Ein stiller Abschied, wie einst im Viereck.

Die großen Erinnerungen an „Gani“ werden bleiben !

 

 

Hans-Dieter Dreher und Embassy II
- Das Pferd meines Lebens  - 

Erste Auflage der Serie "Das Pferd meines Lebens". Text aus einem privatem Interview mit "Hansi" auf den Stuttgart German Masters.

Embassy II

Hannoveraner * 2001

v. Escudo I x Silvio

Züchter: Dr. Jacobs

16.11.2019

Ein Telefonat veränderte auf einen Schlag das Reitsportleben von Hans-Dieter Dreher. Es war Anfang des Jahres 2011.

" Hansi" wurde von Tobias Galmbacher angerufen, der ihm den 10 jährigen Embassy II zum Reiten anbot.

Weder vom Anrufer, noch von diesem Pferd hatte der Reiter bisher irgendetwas gehört. Einige Tage später machte sich der Eimeldinger aus dem tiefen Süden Baden-Württembergs auf nach Umpfenbach, gut 320 KM nördlich vom Dreiländereck gelegen, um den Hengst einmal auszuprobieren. Dieser wurde bis dahin von Dirk Hauser geritten.

Der Test wurde zur "Liebe auf den ersten Sprung" - vom ersten Augenblick an hatte Hansi ein super Gefühl. Ein Gefühl, was über die  Jahre noch stärker wurde, indem sich eine Seelenverwandtschaft zwischen den Beiden entwickelte - sie fühlten und dachten förmlich gleich!

Der Hannoveraner offerierte sofort seine  hervorragende Rittigkeit, die Aufmerksamkeit am Sprung, kombiniert mit enormen Sprungvermögen.

Die Augen des Hengstes funkelten besonders in einem schlauen Kopf, wenn ein Hinderniss angeritten wurde und brachten die Augen seines zukünftigen Reiters zum Glänzen.

Bei Ihrem ersten gemeinsamen Turnierauftritt waren sie sofort siegreich in Schopfheim im S-Springen**. Das dritte Turnier war wenig später schon der CHIO Aachen, wo Embassy II "nur" in der Speedtour unterwegs war, nicht ahnend, dass im Jahr darauf bereits im Großen Preis von Aachen das neue Traumpaar auf einem tollen 4. Platz springen würde.

Es war vielleicht eine gewisse, gemeinsame "Verrücktheit" des Paares - der Ehrgeiz, immer das Beste geben zu wollen. Im entscheidenden Moment zu kämpfen, um  über sich hinaus zu wachsen und dabei zu gewinnen. Damit gewannen sie nicht nur international renommierte Prüfungen, sondern auch die Begeisterung und die Herzen der Reitsporfans.

Unvergessen der Sieg im Weltcupspringen von Stuttgart 2013. "Emby" machte Dreher als ersten Baden-Württemberger zum Gewinner dieses herausragenden Wettbewerbs, Ein Lokalmatador und sein schwarzbrauner Überflieger brachten die Begeisterung  von über 8.000 Zuschauern in der Schleyer-Halle zum Überkochen.

Embassy II war immer gut drauf und er hatte einen begnadeten Schlaf. Auch bei den Turnieren konnte er bestens schlummern und abschalten.

Es gab aber auch die unglückliche Schattenseite des Leistungssports. Nach Jahren großer Erfolge eine langwierige Bänderzerrung.

Auszeit oder Karriereende? Immer wieder wurde Dreher auf den Hengst angesprochen, wie es seinem Pferd ginge. Hansi litt unter der Ungewissheit. Die Zeit sollte die Antwort geben und den für Hansi emotionalsten Turnier- Moment bescheren. Nach etwa 2 Jahren kam Embassy II zurück und gewann ein paar Monate später 2018 den Großen Preis von Donaueschingen - mit 17 Jahren. Tränen der Freude und der Rührung liefen wie nie zuvor beim zuweilen etwas wortkargen Reiter.

Dreher sagte auf die Frage, wie lange er denn Embassy noch auf Turniere mitnehmen wolle, dass dies ihm sein Emby schon mitteilen würde.

Die Zeit dafür ist nun gekommen, sich vom Sport und den Fans  zu verabschieden. Im Mai ging Embassy II sein letztes Springen in Hamburg bei der GCT. Eine kleine Zerrung wenig später, die längst abgeklungen ist, führten zur Entscheidung, ihn am Sonntag vor dem Weltcupspringen in Stuttgart auf Wiedersehen sagen zu lassen.

Ein emotionaler Moment, an den Hansi gar nicht denken will, um nicht sofort wieder Tränen fließen zu lassen.

Dann wird der 1,70 Meter große Springer für immer zurückkehren zu seinem Besitzer und nicht mehr jeden Tag von Hans-Dieters Gattin Marion dressurmäßig geritten.

Der Liebling der Familie geht in Rente und wird als Deckhengst hoffentlich viele Nachkommen noch emporbringen. Vielleicht auch einen für Hansi.

Zurück bleiben die Erinnerungen und natürliche viele Bilder im Wohnhaus des Reiters vom Pferd -oder wohl besser - vom Freund seines Lebens, den er in der Zukunft immer wieder besuchen wird.

 

Herzlichst

Carsten Sostmeier  &  

Hans-Dieter Dreher

 
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